2300 Liter-Zisterne selber bauen

Trinkwasser ist unser wichtigstes Lebensmittel, jeden Tag verbrauchen wir in Deutschland pro Kopf ca. 150 Liter davon, jedoch nur ca. 3 Liter zur Zubereitung von Speisen und Getränken.

Klar, Wasser ist (noch) günstig. Hier kosten 1000l Leitungswasser ca. 6 Euro inclusive Grundgebühr und Abwasser. Und schon ist das erste Problem da! Wenn ich mit Frischwasser aus der Leitung meinen Garten bewässere habe ich aber kein Abwasser, darf es aber zahlen! Ein weiteres, von den Gemeinden geschaffene Problem ist die Abwassergebühr wenn von versiegelten Flächen (Haus- oder Garagendach) das Regenwasser in die Kanalisation geleitet wird.

Was spricht also dagegen Regenwasser aufzufangen um damit zu gießen, zu putzen und eventuell für die Toilette oder die Waschmaschine zu nutzen da man dafür kein qualitativ hochwertiges Trinkwasser benutzen muss?! Vorteile des Regenwassers sind eine bessere Waschwirkung, kein Verkalken der Waschmaschine, das beste Wasser für Pflanzen u.s.w.

Im Handel gibt es Zisternen zum Regenwasser sammeln, die kleinste (1500l) für 2000 Euro. Das ist dann schon so teuer das sich die ganze Arbeit nicht mehr lohnt. Regentonnen gibt es sehr günstig zu kaufen. An heißen Tagen ist das Wasser aber sehr schnell verdreckt, fängt an zu stinken und ist voll mit sämtlichen Tieren. In einer unterirdischen Zisterne passiert das nicht. In meiner ist die Temperatur von der Mitte abwärts Sommer wie Winter 5-10 Grad über Null.

Wer über handwerkliches Geschick verfügt und körperliche Arbeit in Kauf nimmt, kann sich sehr günstig selbst eine Zisterne bauen. Ich werde meine hier mal der Öffentlichkeit zugänglich machen.

14 Tage Dauerkälte mit Temperaturen von bis zu -20°C überlebte sie ohne Frostschäden, obwohl das Wasser bis knapp unter dem Deckel stand. Die Eisdicke betrug etwa 15cm.

August 2017 noch keinerlei Beschädigungen oder Undichtigkeiten

 

Wasserentnahme 2008 ca. 4000 Liter

Wasserentnahme 2009 ca. 7000 Liter

                                                            Wasserentnahme 2010 ca. 8000 Liter (Baukosten haben sich amortisiert)

Wasserentnahme 2011 ca. 8000 Liter

Wasserentnahme 2012 ca. 5400 Liter

Wasserentnahme 2013 ca. 5400 Liter

Wasserentnahme 2014 ca. 2100 Liter

Wasserentnahme 2015 ca. 2500 Liter

Wasserentnahme 2016 ca. 2000 Liter

Wasserentnahme 2017 ca. 1800 Liter

Baubeginn war im September 2007.

 

Mitte Oktober 2007 war ich in einer Tiefe von 2,20m mit einem Durchmesser von 1,40m.

 

In dieser Tiefe goss ich mit Beton die 10cm dicke Bodenplatte. Für die Wand nahm ich Randsteine 100x25x5cm aus Beton für 1,40 Euro pro Stück aus dem Baumarkt. Von diesen mauerte ich 15 Stück hochkant nebeneinander im Kreis auf die Bodenplatte. Das war in der ersten Novemberwoche, ab jetzt war wetterbedingter Baustop. Im April 2008 ging es dann mit der zweiten Lage der Randsteine weiter. Jetzt standen 30 Platten auf der Bodenplatte, der Innendurchmesser beträgt 120cm, der Außendurchmesser 130cm und die Höhe 201cm. Im Anschluss habe ich innen die Fugen mit Beton verputzt.

Die Innenwände einschließlich Bodenplatte habe ich mit Dichtschlämme versiegelt damit kein Wasser abhaut. Die Dichtschlämme wird mit Wasser zu einer joghurtartigen Masse verquirlt und mit einer Tapetenbürste aufgetragen. Jede Schicht braucht etwa einen Tag zum Trocknen. 5-6 Schichten dürften ausreichen, eine Nachbehandlung ist jederzeit möglich.

Zwischen Deckel (groß) und Wand sind winzige Löcher. Der Übergang von Deckel/Wand wurde nicht mit Dichtschlamm behandelt und ist somit wasserdurchlässig. Das reicht. Übergelaufen ist sie bis jetzt noch nicht. 

Dichtschlämme (25kg-Säcke im Baumarkt) basiert auf einer Zement-Kunststoff-Mischung und dienen zur Abdichtung von Oberflächen gegen eindringendes (aber auch Wasserverlust nach außen hin) Wasser. Dichtschlamm ist porenfüllend und wird mehrlagig, nach Aushärten der ersten Schicht, aufgetragen.

Den Raum hinter den Randsteinen füllte ich abwechselnd mit dem Aushub aus dem Loch und Beton aus.

 

 

 

Drei der oberen Platten bekamen eine Aussparung (2 Zulaufrohre und ein Rohr für den Saugschlauch).

 

Hier ist die Zisterne offen. Die Luke ist groß genug damit auch eine Leiter durchpasst.

Den Deckel der Zisterne fertigte ich im Garten. Ich grub ein 10cm tiefes Loch mit einem Durchmesser von 140cm, stellte eine Zinkwanne hinein und goss es um die Wanne herum mit Beton aus. Vorher sollte das Loch aber mit Folie ausgekleidet werden. Als der Beton ausgehärtet war entnahm ich die Wanne, legte Folie in die für die Wanne vorgesehene Aussparung und füllte diese bis zur Oberkante des großen Deckels mit Beton. Jetzt hatte ich einen Deckel mit einer Einstiegsluke damit ich später in die Zisterne komme. Zum Heben des Deckels (ca. 50kg) montierte ich zwei Griffe.

Beide Deckel sind natürlich, so wie die Bodenplatte, mit Stahl verstärkt worden.

 

Und hier ist sie zu. Die beiden Deckel schließen bündig und gestatten weder Dreck, Tieren noch Kindern Zutritt. Für eine bessere Optik wird eine Lage Kies darüber verteilt. Links und rechts dieses "Hauses" sieht man die beiden Fallrohre.

 

Diese Fallrohre habe ich im unteren Drittel geteilt und einen Filter für den groben Schmutz eingebaut.

 

Der Filter ist recht einfach, aber Wirkungsvoll. Er besteht aus einem trichterförmigen PVC-Rohr, welches einfach auf das Fallrohr gesteckt wird, und einem halben Tee-Ei. Der Reinigungsaufwand beträgt 10 Sekunden pro Seite.

Zur Wasserentnahme installierte ich eine Pumpe. Den Saugschlauch sah man bereits. Für diese Pumpe baute ich ein Häuschen, ebenfalls ohne großen Aufwand. Darin verrichtet sie, geschützt vor Wind und Wetter, ihren Dienst.

 

Den Deckel kann man nur öffnen wenn die Tür offen ist....

....und die Tür ist verschließbar.

 

Die Zisterne hat ein Fassungsvermögen von 2300 Litern, für den Garten wird es sicher reichen.

 

Das Wasser hat einen PH-Wert von 7,1 und Nitrat 0.

4-Filter-System: 1. In der Dachrinne, 2. Im Fallrohr, 3. Am Saugschlauch auf dem Grund, 4. Feinfilter in der Pumpe

Eine Zisterne sollte übrigens nur ca.alle 5-10 Jahre gereinigt werden. Nach ca. 3 Monaten bildet sich auf dem Grund eine Schlammschicht, das sogenannte Sediment. Diese Schicht besteht aus  "guten" Bakterien welche das Wasser reinigen.

Daher ist es wichtig, den Saugschlauch NICHT auf dem Zisternenboden aufliegen zu lassen.

Selbst Verunreinigungen durch Vogelkot reinigen sich mikrobiologisch selbst.

 

Die reine Arbeitszeit betrug geschätzte 300 Stunden, die Kosten ohne Pumpe ca. 100 Euro. Ich finde, billiger gehts fast nicht und besser...eventuell. Ich bin ja auch nur ein Laie.

 

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